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Angst vor dem Investieren hält erstaunlich viele Menschen davon ab, überhaupt den ersten Schritt zu machen. Besonders Frauen erzählen mir immer wieder, dass sie eigentlich gerne investieren würden, aber Angst haben, Geld zu verlieren, etwas falsch zu machen oder schlicht nicht genug darüber zu wissen.
Und ich finde diese Angst nachvollziehbar.
Alles, was wir noch nicht kennen, fühlt sich zuerst kompliziert an. Beim Thema Geld kommt noch etwas dazu. Es geht nicht einfach um irgendeine Entscheidung. Es geht um Geld, das wir uns erarbeitet haben und natürlich möchten wir nicht das Gefühl haben, dieses aufs Spiel zu setzen.
Aber genau hier lohnt sich eine andere Frage.
Was passiert eigentlich, wenn du aus Angst gar nichts machst.
Nicht zu investieren fühlt sich sicher an
Nichts zu tun fühlt sich zuerst sicher an.
Das Geld liegt auf dem Konto. Du kannst es sehen. Du kannst jederzeit darauf zugreifen und es passiert scheinbar nichts damit.
Genau dieses Gefühl von Kontrolle macht ein Sparkonto für viele angenehmer als ein Depot.
Ich hatte selbst irgendwann diesen Punkt. Meine Kinder hatten von ihrer Oma einmal 3’000 Franken bekommen und ich dachte mir: Was mache ich jetzt damit.
Auf einem Sparkonto passierte praktisch nichts.
Also begann ich mich mit Investieren zu beschäftigen. Nicht, weil ich plötzlich Börsenprofi werden wollte. Sondern weil ich gemerkt habe, dass Nichtstun eben auch eine Entscheidung ist.
Das war für mich ein wichtiger Perspektivwechsel.
Wir denken beim Investieren immer über das mögliche Risiko nach.
Aber wir denken erstaunlich selten über das Risiko nach, gar nichts zu tun.
Die Angst entsteht häufig durch das Unbekannte
Wenn wir etwas nicht verstehen, wirkt es automatisch gefährlicher.
Depot.
ETF.
Aktien.
Broker.
Verrechnungskonto.
Kurse steigen und fallen.
Allein diese Begriffe können dafür sorgen, dass wir denken: Das ist nichts für mich. Und dann fragen wir vielleicht Menschen in unserem Umfeld.
Dort hören wir Sätze wie:
„An der Börse verlierst du doch nur Geld.“
„Das wäre mir viel zu riskant.“
„Davon habe ich keine Ahnung.“
Das Problem ist, dass häufig Menschen über Investieren sprechen, die selbst gar nicht langfristig investieren. Oder sie kennen jemanden, der Geld verloren hat. Aber was ist damals wirklich passiert.
Wurde langfristig investiert. Wurde spekuliert. Wurde aus Angst verkauft. Wurde Geld eingesetzt, das eigentlich kurzfristig gebraucht wurde.
Zwischen diesen Dingen liegt ein grosser Unterschied.
Angst bedeutet nicht, dass du etwas nicht tun solltest
Ich finde, wir verwechseln Angst manchmal mit einem Warnsignal.
Wir denken:
Wenn ich Angst davor habe, dann ist es wahrscheinlich falsch. Aber Angst kann auch einfach bedeuten, dass etwas neu ist. Wenn du das erste Mal Auto fährst, bist du unsicher. Wenn du das erste Mal alleine verreist, vielleicht ebenfalls. Wenn du ein neues Business startest, weisst du auch nicht, ob alles funktionieren wird. Trotzdem machen wir es.
Beim Geld möchten wir dagegen häufig zuerst hundertprozentige Sicherheit. Die gibt es aber nicht. Und vielleicht brauchen wir sie auch nicht. Vielleicht reicht es, genügend zu verstehen, um einen kleinen nächsten Schritt machen zu können.
Warum wir so lange warten
Ein weiterer Grund, warum viele nicht investieren, ist die Suche nach dem perfekten Zeitpunkt. Vielleicht ist die Börse gerade zu hoch. Vielleicht kommt eine Krise.
Vielleicht sollte man noch warten. Vielleicht gibt es nächsten Monat einen besseren ETF. Vielleicht finde ich später einen besseren Broker. Und so vergeht ein Jahr.
Dann noch eins.
Das Problem dabei ist nicht nur, dass dein Geld währenddessen nicht investiert ist. Du verlierst auch Zeit. Und Zeit ist beim langfristigen Vermögensaufbau enorm wichtig. Das war auch bei mir eine der wichtigsten Erkenntnisse.
Ich habe das Depot meiner Kinder 2017 gestartet. Damals wusste ich natürlich nicht, was in den folgenden Jahren passieren würde. Es kamen Schwankungen. Corona kam.
Die Märkte bewegten sich.
Aber ich habe nicht versucht, ständig den perfekten Moment zu erwischen.
Das Geld durfte einfach Zeit bekommen.
Wir haben mehr Angst vor Verlust als vor verpassten Chancen
Das finde ich psychologisch besonders spannend.
Wenn du 1’000 Franken investierst und daraus kurzfristig 900 werden, siehst du diesen Verlust sofort.
Das fühlt sich unangenehm an.
Wenn dieselben 1’000 Franken aber zehn Jahre auf einem Konto liegen und sich kaum vermehren, fühlt es sich nicht wie ein Verlust an.
Die Zahl ist ja noch da.
Genau deshalb ist Nichtstun emotional so angenehm.
Wir sehen nicht, was möglicherweise hätte entstehen können.
Und wir sehen auch nicht jeden Tag, wie Kaufkraft verloren gehen kann.
Beim Investieren sehen wir dagegen jede Bewegung.
Deshalb fühlt es sich riskanter an, obwohl Nichtstun ebenfalls Konsequenzen haben kann.
Mehr Geld löst das Problem nicht automatisch
Viele sagen sich:
Wenn ich später mehr verdiene, dann beginne ich.
Aber das funktioniert häufig nicht so.
Denn wir Menschen gewöhnen uns unglaublich schnell an ein höheres Einkommen.
Du bekommst eine Lohnerhöhung und plötzlich wird das etwas teurere Essen normal. Vielleicht kaufst du dir häufiger etwas. Vielleicht gönnst du dir Dinge, die vorher nicht drin waren.
Das ist nicht falsch.
Aber nach einiger Zeit fühlt sich das neue Einkommen wieder ganz normal an.
Und am Monatsende bleibt erneut wenig übrig.
Deshalb glaube ich nicht, dass wir erst auf den Moment warten sollten, an dem plötzlich „genug Geld“ da ist.
Viel wichtiger ist, dass wir beginnen, anders mit unserem Geld umzugehen.
Du musst nicht sofort mutig sein
Ich sage oft: Fang klein an.
Nicht, weil ein kleiner Betrag dein Leben sofort verändert.
Sondern weil er deine Beziehung zum Investieren verändern kann.
Wenn du mit einem Betrag beginnst, bei dem du ruhig schlafen kannst, kannst du beobachten, was passiert.
Du merkst, dass Kurse schwanken.
Du siehst, dass nicht jeden Tag etwas Dramatisches passiert.
Du gewöhnst dich an dein Depot.
Und plötzlich ist das Thema nicht mehr ganz so fremd.
Genau das ist meiner Meinung nach der entscheidende Punkt.
Wir müssen uns nicht zuerst mutig fühlen und dann anfangen.
Oft entsteht der Mut erst dadurch, dass wir anfangen.
Du musst nicht alles wissen
Das ist vielleicht einer der grössten Denkfehler beim Investieren.
Viele glauben, sie müssten zuerst alles verstehen.
Alle Fachbegriffe.
Alle Anlageformen.
Alle Risiken.
Alle Kennzahlen.
Aber wann weiss man schon alles.
Ich investiere inzwischen seit Jahren und trotzdem gibt es Themen, die ich nachlesen muss.
Das ist völlig normal.
Du musst nicht alles wissen.
Du musst nur genug wissen, um den nächsten sinnvollen Schritt zu machen.
Und danach lernst du weiter.
Warum ich bei meinem Depot so wenig mache
Vielleicht denken viele beim Wort Börse an Menschen, die den ganzen Tag auf Charts schauen.
Das ist überhaupt nicht mein Ziel.
Ich möchte nicht jeden Morgen prüfen, was die Märkte machen.
Ich möchte nicht ständig kaufen und verkaufen.
Ich möchte auch nicht versuchen, innerhalb von drei Tagen mein Geld zu verdoppeln.
Das wäre für mich genau das Gegenteil von dem, was ich erreichen möchte.
Ich möchte langfristig Vermögen aufbauen.
Und dafür möchte ich ein System, das möglichst ruhig im Hintergrund läuft.
Genau deshalb finde ich es so wichtig, Investieren nicht mit Spekulation zu verwechseln.
Angst wird kleiner, wenn etwas normal wird
Denk einmal an Dinge, die heute völlig normal für dich sind.
Vielleicht Autofahren.
Online Banking.
Eine Reise buchen.
Etwas online verkaufen.
Beim ersten Mal war vieles davon wahrscheinlich ebenfalls ungewohnt.
Dann hast du es ein paar Mal gemacht und irgendwann denkst du gar nicht mehr darüber nach.
Mit Investieren kann genau das Gleiche passieren.
Das Depot ist irgendwann einfach da.
Du weisst, wo du deine Zahlen findest.
Du kennst die Abläufe.
Du schaust vielleicht ein- oder zweimal im Jahr hinein.
Und plötzlich fragst du dich, warum du so lange davor Angst hattest.
Nichtstun ist auch eine Entscheidung
Das ist die wichtigste Botschaft, die ich dir aus diesem Beitrag mitgeben möchte. Du musst nicht investieren, nur weil andere es tun.
Du musst auch nichts machen, womit du dich nicht wohlfühlst.
Aber ich würde deine Entscheidung nicht nur aus Angst treffen.
Informiere dich.
Stell Fragen. Schau dir an, wie langfristiges Investieren funktioniert. Und entscheide dann bewusst. Nicht investieren ist ebenfalls eine Entscheidung. Und auch diese Entscheidung hat langfristig Konsequenzen.
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben
Mutig zu sein bedeutet für mich nicht, dass du keine Angst hast.
Es bedeutet, dass du etwas Neues trotzdem ausprobierst.
Vielleicht ist dein nächster Schritt noch gar nicht das Investieren.
Vielleicht schaust du dir heute nur an, was ein Depot überhaupt ist.
Vielleicht liest du etwas über ETFs.
Vielleicht rechnest du einmal aus, was aus 50 Franken im Monat über viele Jahre werden könnte.
Der nächste Schritt darf klein sein.
Hauptsache, du bleibst nicht nur deshalb stehen, weil dir etwas noch unbekannt ist.
Denn irgendwann kann aus diesem ersten kleinen Schritt etwas entstehen, über das du sehr froh bist.
Genau so war es bei mir.
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