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Es gibt einen Satz, den ich lange nicht laut gesagt habe: „Ich war Hausfrau und Mutter, schön, aber ohne eigenes Einkommen. Und ich habe nicht einmal gemerkt, dass für mich nicht mal die AHV-Mindestbeiträge einbezahlt wurden.“
Geld ist in Deutschland und in der Schweiz immer noch eines der letzten großen Tabus. Laut einer Indeed-Umfrage empfinden 42 Prozent der Deutschen das Thema Gehalt als Tabu, und nur 14 Prozent würden Kolleg:innen offen sagen, was sie verdienen, knapp die Hälfte würde eher das Social-Media-Passwort teilen als die Gehaltszahl (Handelsblatt). Gleichzeitig zeigt eine Klarna-Studie, dass 64 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Monat über Geld sprechen (Klarna) – nur eben selten öffentlich, selten konkret, selten ehrlich.
Das Ding
Ich war Hausfrau und Mutter. Das ist etwas Schönes – aber es bedeutete auch: kein eigenes Einkommen mehr. Irgendwann habe ich angefangen, im Hotel meines Partners mitzuarbeiten, parallel zu den Kindern. Es war viel Arbeit, für die ich nichts verdient habe. Ich weiß, dass ich damit nicht allein bin – sehr viele Frauen machen das genauso: mitarbeiten, mittragen, ohne dass daraus ein eigenes Einkommen oder eine eigene Absicherung wird.
Der Punkt, an dem sich für mich alles änderte, war, als ich gemerkt habe, dass nicht einmal die AHV-Mindestbeiträge für mich einbezahlt worden waren. Trotz all der Arbeit war ich in der Altersvorsorge praktisch unsichtbar.
Das Menschliche
Zum Glück konnte ich die Lücke noch für vier Jahre rückwirkend schließen, aber der Moment, in dem ich das entdeckt habe, war ein Schock. Es war nicht nur Ärger über eine fehlende Zahlung. Es war das Gefühl, jahrelang gearbeitet zu haben, ohne dass es irgendwo zählt, finanziell unsichtbar zu sein, obwohl ich alles andere als untätig war.
Darüber öffentlich zu sprechen, hieß auch, offenzulegen, wie abhängig ich finanziell gewesen war, und wie wenig ich selbst lange hinterfragt hatte, ob für mich vorgesorgt wird. Das ist kein leichtes Eingeständnis.
Die Lektion
Was sich seitdem verändert hat: Ich schaue heute genauer hin, auf meine eigene Vorsorge, auf das, was auf meinen Namen läuft, auf das, was „selbstverständlich“ gemacht wird, es aber nicht ist. Ich rede mit anderen Frauen darüber, und fast immer kommt die gleiche Reaktion: „Das kannte ich nicht“, oder „Bei mir war das genauso.“
Ich habe gelernt, dass unbezahlte Mitarbeit, im Familienbetrieb, im Haushalt, in der Kindererziehung, zwar oft als selbstverständlich gilt, aber wirtschaftlich real ist. Und dass niemand automatisch für dich hinschaut, auch nicht der Partner, mit dem du zusammenarbeitest.
Daher habe ich angefangen, eigenes Geld zu verdienen
Genau dieser Moment war der eigentliche Wendepunkt: Ich wollte nie wieder in der Situation sein, wirtschaftlich komplett von jemand anderem abzuhängen, so unsichtbar, dass nicht mal die Mindestvorsorge für mich lief. Also habe ich angefangen, mein Blogging, das ich all die Jahre aus Liebe zur Sache gemacht hatte, auch als eigene Einkommensquelle aufzubauen. Online-Marketing war für mich der logische nächste Schritt: etwas, das ich von zu Hause aus machen konnte, parallel zu Kindern und Alltag, aber mit einem Unterschied zur Mitarbeit im Familienbetrieb, das Einkommen lief jetzt auf meinen Namen, in meine eigene Vorsorge.
Es war nicht von heute auf morgen profitabel. Aber jeder Franken, den ich selbst verdient habe, war ein Franken, bei dem ich genau wusste: Diesmal zählt es auch für mich.
Die Erkenntnis
Wenn du selbst in einer ähnlichen Situation bist, ob mitarbeitend im Familienbetrieb, als Hausfrau/Hausmann oder einfach ohne eigenes, formell erfasstes Einkommen: Prüf deine eigene Vorsorgesituation, unabhängig davon, wie sehr du deinem Partner oder deiner Partnerin vertraust. Es geht nicht um Misstrauen, es geht darum, dass wirtschaftliche Unsichtbarkeit nicht automatisch auffällt, bis es fast zu spät ist.
Du musst nicht mit allem starten. Du entscheidest, was du zeigst und was privat bleibt – dazu mehr in „Reps > Research: Mein ehrlicher Blick auf Konsistenz beim Content erstellen“.
Wenn du wissen willst, wie ich diese Offenheit auch strategisch für meinen Blog genutzt habe, lies gern weiter bei „Wie ich meinen Blog von null gestartet habe“.
FAQ
Ist es riskant, öffentlich über Geld zu sprechen? Es gibt ein Risiko an Reaktionen, positiven wie negativen. Ein guter Filter aus der Praxis: Wenn ein Beitrag morgen eine Million Aufrufe hätte, würdest du ihn trotzdem posten? Wenn ja, ist es Offenheit. Wenn nein, ist es zu viel.
Muss ich konkrete Zahlen nennen, um authentisch zu wirken? Nein. Offenheit bedeutet nicht, jede Zahl offenzulegen. Du kannst über Erfahrungen, Gefühle und Learnings sprechen, ohne Kontostände zu zeigen.
Was, wenn negative Kommentare kommen? Das passiert. Wichtig ist vorab zu wissen, wo deine persönliche Grenze liegt, welche 1–2 Themen du teilst und was tabu bleibt. Das schützt dich, bevor überhaupt ein Kommentar kommt.
Wie fange ich an, wenn ich mir noch unsicher bin? Klein anfangen: eine Erfahrung, ein Learning, ein Satz, den du selbst gebraucht hättest. Kein Zahlen-Reveal nötig für den ersten Schritt.
Was ist eine AHV-Beitragslücke und wie schließe ich sie? Eine Beitragslücke entsteht, wenn für ein Jahr keine oder zu wenig AHV-Beiträge einbezahlt wurden – das kann bei Nichterwerbstätigen, aber auch bei unbezahlt mitarbeitenden Ehepartner:innen im Familienbetrieb passieren. Fehlende Jahre lassen sich in der Regel nur fünf Jahre rückwirkend nachzahlen, danach ist die Lücke endgültig (ahv-iv.ch). Der Mindestbeitrag für Nichterwerbstätige liegt aktuell bei CHF 530 pro Jahr; sind Ehepartner:innen von der eigenen Beitragspflicht befreit, muss der erwerbstätige Teil mindestens den doppelten Mindestbeitrag (CHF 1’060) einzahlen (ahv-iv.ch). Ein Anruf bei der zuständigen Ausgleichskasse zeigt dir schnell, ob bei dir eine Lücke besteht.
Quellen: Handelsblatt – Tabuthema Gehalt, Klarna-Studie zum Geldgespräch der Deutschen, Informationsstelle AHV/IV – Was tun bei Beitragslücken, ahv-iv.ch – Beiträge der Nichterwerbstätigen
